Eingewanderte Pflanzen erregen Aufsehen

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Eingewanderte Pflanzen erregen Aufsehen

Etwa seit Mitte der 1970er Jahre ist die Flora im Ruhrtal in der Öffentlichkeit heftig ins Gespräch gekommen. Der Grund: Einige Pflanzenneubürger (Neophyten) aus fremden Florengebieten breiten sich im Ruhrland explosionsartig aus. In der schon lange nicht mehr ursprünglichen Auenflora sind ganz besonders auffallend:

  • der Kaukasische Bärenklau

(Herakleum mantegazzianum),

  • das Drüsige Springkraut

(Impatiens glandulifera),

  • und der Japanische Knöterich

(Reynoutria japonica).

Wenn diese Pflanzen vom Sommer bis weit in den Herbst hinein das Tal in ein Meer aus Blüten verwandeln, wird in der Öffentlichkeit immer wieder die Frage gestellt, ob sie eine Bedrohung für die heimische Pflanzenwelt werden?

Besonders der auffällige Kaukasische Bärenklau. Wegen seiner Größe auch Herkulesstaude oder Riesenbärenklau genannt, der aus alten Gärten entweichen konnte, verursacht Jahr für Jahr Schlagzeilen in allen Medien. Er hat Eigenschaften, die zu einer kritischen Einschätzung führen können. Zum einen ist dies sein lawinenartiger Vermehrungsdrang und zum anderen seine Größe. Fast 3,5 m hoch wird die Pflanze und die Blätter können bis zu einem Meter lang werden. Außerdem besitzt sie an kleinen Härchen fototoxische Wirkstoffe, die – in Verbindung mit UV-Strahlen (Sonnenlicht) – bei Hautkontakt zu Hautreizungen führen können.

Über den außergewöhnlichen Auftritt der Pflanze informierten Tageszeitungen mit folgenden und ähnlichen Berichten die breite Öffentlichkeit:

  • Ruhr-Vereine gehen gegen Wuchern des Bärenklau vor.
  • Exotischer Bärenklau zerstört Vegetation
  • Umweltschützer entwurzeln nichteinheimische Pflanzen.
  • Schwarzer Ritter der Pflanzenwelt, Thema im Rat [der Stadt Bochum] – Angst vor Herkulesstaude.

Um die gegenwärtige Florenentfaltung im Ruhreinzugsgebiet besser zu verstehen,


ist es aufschlussreich, die Vegetationsentwicklung im Land an der Ruhr zu untersuchen. Dazu ist eine Reise nötig, die uns bis zum Ausgang der letzten Eiszeit zurückführt.

Damals hat kaltes, raues Klima auch unserer Region ihren Charakter gegeben. Ebenso wich vor der Kälte wie überall die Flora zurück. Das Ruhrland wurde nur noch von einer äußerst kümmerlichen Vegetationsschicht überdeckt. Bei aller Kargheit breitete sich, mit Beginn der heutigen "Warmzeit", nach und nach wieder ein Florenteppich aus. Es waren Pflanzen, die aus dem Süden und Südosten, dem wärmeren Teil Europas, einwanderten.

Derartige Entwicklungen im Naturhaushalt sind im Laufe der Erdgeschichte von unterschiedlichen Ereignissen viele Male ausgelöst worden, vor allem durch geologische Prozesse und klimatische Einflüsse. Wie beispielsweise bei der eingangs geschilderten Einwanderungslawine des Kaukasischen Bärenklaus, gab menschliches Wirken den Anstoß. Gleichgültig ob natürliche oder anthropogene Aktivitäten die Natur verändern, muss die Frage gestellt werden: Soll der Mensch beim Einbürgerungsprozess der Pflanzen helfend eingreifen oder hilft die Natur sich selbst?

Bei allen gut gemeinten Vorschlägen dürfen wir freilich eines nicht vergessen, die Landschaft im Allgemeinen befindet sich immer im Wandel und erholt sich in der Regel von selbst, auch das Pflanzenkleid ändert sich ständig! Andererseits ist bekannt, dass der Mensch, seit dem er sich dauerhaft niedergelassen hat, ständig in der Natur Änderungen vornimmt. So hat er gegen Ende der Jungsteinzeit, mit Beginn des Getreideanbaus, im Verlauf der "neolithischen Revolution", Naturland in Kulturland umgewandelt.

Ebenso hat die später in der Neuzeit folgende "industrielle Revolution" Spuren ihrer Art in der Natur hinterlassen.

Das Ruhrland bekam sein heutiges Aussehen, wie oben erwähnt, durch die natürlichen Folgen der letzten großen Eiszeit und infolge menschlicher Aktivitäten in der Landwirtschaft, im Gewerbe, in der Industrie und nicht zuletzt durch Umwandlung von Naturland in Siedlungsland.

Der Beitrag hat eine chronologische Fassung und gibt in seinen Grundzügen Auskunft über die Entwicklung der Pflanzenwelt im Ruhrland während der letzten 12000 Jahre.

Einzelnachweise

in der Flora Nordrhein-Westfalens, in: Natur- u. Landschaftskunde.

DIEKJOBST, H. Heft 2+3/S. 88, S. 33-38/S. 65-70.