Ende der letzten Eiszeit – Neubeginn der heutigen Ruhrgebietsvegetation
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Um 15000 v.Chr. schmolzen im Norden Deutschlands die letzten Inlandeisfelder, damit hatte die Weichseleiszeit ihre Endphase erreicht. Nach einer fast 123 Tausend Jahre andauernden Kaltzeit existierte in den eisfreien Regionen Mitteleuropas nur noch eine spärliche Vegetation von Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten.
Um 12000 v.Chr. hatte das Ruhrgebiet Steppencharakter, baumlose Pflanzenformationen, bestehend aus Kälte liebenden Gräsern und Kräuter überdeckten das Land. Mit dem Rückzug des Eises erwärmte sich nach und nach die Umwelt und ab etwa 10000 v.Chr., mit beginnender Stabilisierung des Klimas, die Epoche der heutigen Warmzeit.
Während dieser Zeit betrug die mittlere Julitemperatur 12° Celsius, (heute 18°C).i Bei derartigen Klimawerten kam auf den versteppten Böden ein neuer Pflanzenteppich zum Keimen. Daneben traten schon einzelne Baumarten auf, im verstärkten Maße waren es Weide, Birke und Kiefer. Ein erneuter Temperaturabfall versetzte um 8500 v.Chr. alles wieder zurück in eine Tundrenvegetation, ein Rückschlag der etwa 1000 Jahre anhielt. Aber dann stellte sich in Mitteleuropa unser heutiges Klima ein.
Ab 7500 v.Chr. formten sich angepasst an Bodenart, Grundwasserstand und Höhenlage unterschiedliche Waldgemeinschaften. In ihrer Entwicklung traten besonders Kiefern- und Birkenwälder hervor. Naturgemäß geschah das gleiche im Ruhrgebiet. Mit dem Tauwetter taute der Permafrostboden und eine üppige Vegetation breitete sich aus. Über viele Wege kamen die Samen fremder Pflanzen, teils mit dem Wind, teils geschah der Transport mittels Vögel und Säugetiere. Die Neuankömmlinge vermischten sich mit der heimischen Vegetation. Die ersten Wärme liebenden Pflanzen zogen aus dem Balkangebiet und aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa.
Ab 5000 v.Chr. wurde es in Mitteleuropa noch wärmer, die mittlere Jahreslufttemperatur lag 2° bis 3° Celsius höher als der heutige Jahresmittelwert von +9,4° Celsius. Entsprechend begann die Waldvegetation sich zu verändern. Die Eiche übernahm die Vorherrschaft, ihr folgten im gesamten Waldbestand: Ulme, Linde, Esche und Haselnuss.
Um 2000 v.Chr. begann ein Zeitabschnitt mit atlantischem Klima, kühles und regenreiches Wetter beeinflusste die Vegetation. Die feuchtigkeitsliebende Buche beherrschte ab jetzt den Mischwald, gefolgt von Eiche und Kiefer. Zu den vielen anderen Pflanzen die sich nach und nach einstellten zählten: Stechpalme, Stechginster, Roter Fingerhut und Erika-Arten. Da das Ruhreinzugsgebiet zur niederschlagsreichen atlantischen Klimazone gehört, fand eine diese Witterung bevorzugende Waldflora günstige Wachstumsbedingungen.
Dichte Wälder bedeckten das Ruhrland. Im aufgeschotterten Ruhrtal gedieh auf meist feuchtlehmigem, aber auch sandigem Boden, der Auwald. Ausschließlich Laubbäume säumten den Fluss, vorwiegend stockten Erlen, Eschen und Traubenkirschen. Mit dem alljährlich wiederkehrenden Hochwasser bildeten sich in den Talauen auch baumfreie Schlick- und Sandbänke, auf ihnen wuchsen Röhriggesellschaften und Kräuter.
Liter: Das Eiszeitalter im Ruhrland, Heft Nr. 2, Köln 1982. Hrsg: Ruhrlandmuseum Essen.
Liter: Die Eiszeiten in Nordwestdeutschland, 1993. K. Skupin, E. Speetzen, J. G. Zandstra

