Gewerbe und Industrie geben dem Land an der Ruhr seine Eigenart

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Bergwerk Ver. Dahlhauser Tiefbau mit der 1959 errichteten Turmfördermaschine über Schacht 2.
Das Bild zeigt einen Teilbereich des ehemaligen Zechengeländes Ver. Dahlhauser Tiefbau, ausgestattet mit Spielgeräten und Sandflächen speziell für Kleinkinder geeignet. Foto: 1999.
133 Jahre Hüttenbetrieb im Ruhrtal bei Hattingen. 1854 wurde der erste Hochofen angeblasen.
1987 begann die Hüttenstilllegung. Das Bild zeigt das Gelände im Herbst 1993, mit teildemontierten Werksanlagen.

Bis jetzt bestimmte in gewissem Maße nur das bäuerliche Treiben den Charakter der Ruhrlandschaft, auch das Tal war überwiegend noch Bauernland. Obwohl schon rege Geschäftigkeit im Bergbau und bei der Schifffahrt umging, befand sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts das Ökosystem noch in einem stabilen Zustand. Viele Jahrhunderte war der Steinkohlebergbau im Ruhrtal eine Sache der Stollenzechen. Mit Erfindung der Dampfmaschine, Ende 18. Jahrhundert, begann der Untertagebergbau zu größeren Tiefen. Um den weit unter der Erdoberfläche liegenden abbaubaren Kohleschichten nahe zu kommen, gab es jetzt die Gelegenheit mit Maschinenkraft die Schächte in beträchtliche Teufen zu bringen. Ferner konnte mit Dampfmaschinenkraft die Förderung der Kohle effektiver bewerkstelligt werden. Als etwa Mitte des 19. Jahrhunderts der industrielle Aufschwung begann und die Nachfrage nach Kohle schwungvoll stieg, wird nach und nach der zwischen Natur und Mensch bestehende Einklang gestört. Das Land verändert sich charakteristisch und unübersehbar. Zum einen durch das komplexe Gebilde der aufkommenden Industriewelt, zum anderen durch die Folgeerscheinungen der technischen Prozesse, die in den Fabriken durchgeführt wurden. Zu den großen Unternehmen im Ruhrevier zählten Steinkohlebergwerke und Hüttenbetriebe.


Exemplarisch für die große Zahl von Industrien werden in diesem Beitrag zwei Betriebe skizziert. Erstens, die Ruhrtalzeche "Ver. Dahlhauser Tiefbau". Ihr Standort war Bochum Dahlhausen, bei Flusskilometer 50,6. Sie zählte zu den großen Zechen im Ruhrgebiet.


Noch 1964 förderte die Zeche 287015 Tonnen Steinkohle, mit einer Belegschaft von 960 Menschen. Nach 120 Betriebsjahren, musste 1965 der Dahlhauser Tiefbau wegen Absatzschwierigkeiten die Förderung einstellen. Zug um Zug vollzog sich die Demontage der Zeche. Nach dem Abbruch entstand auf dem Gelände eine großräumige Freizeitanlage. Die ab 1979 der Öffentlichkeit zur Verfügung stand.


Der zweite skizzierte Betrieb gehörte zu den größten Hütten im Ruhrrevier. Die Henrichshütte bei Hattingen, dicht am Ruhrlauf gelegen. Die Umweltverschmutzung, die von ihr ausging, war enorm. Die Hütte war quasi eine Technikinsel im noch existenten Ruhrlandbiotop. 133 Jahre, von 1854 bis 1987, hat der Großbetrieb tief greifend die Landschaften um Hattingen und das Ruhrtal beeinflusst.


Im Laufe ihrer Entwicklung expandierte die Henrichshütte zu einem Unternehmen mit maximal 9000 Mitarbeitern. Für die Hütte wurde eines Tages das Ruhrtal bei Hattingen zu eng. Kurz entschlossen ließ man 1959 das Flussbett verlegen. Demzufolge verkürzte sich der gesamte Ruhrlauf um 630m. Schon bald nach Ansiedlung der Großindustrie brachten die zwangsläufig auftretenden Umweltverschmutzungen erste Probleme. Für viele war jetzt klar, ein Konflikt mit der Natur ist gewiss, das erkannte seinerzeit nicht nur der Naturfreund. Beobachtungen zeigten, dass viele Gewächse ihre Existenzgrundlage verloren haben. Mit dem Ausblasen des letzten Hochofens der Henrichshütte im Jahre 1987 begann das Aus der Hütte.


Inzwischen hat sich auf der Industriebrache Henrichshütte viel getan. Das Alte wird durch Neues ersetzt: im neu gegründeten Landschaft- und Gewerbepark siedeln unterschiedliche Betriebe. Ferner findet man Sportvereine und ausgedehnte Naherholungsräume.

1970 hat die Universität-Bochum im Bereich der Topografischen Karte Bochum Nr. 4509 die Lokalflora untersucht. Dabei stellten Wissenschaftler fest, dass zwischen den Kartierungen von 1887 und 1970 im Bochumer Süden, rechts und links des Industrieflusses Ruhr, 75 Pflanzenarten verschwanden. Besonders betroffen waren Pflanzen nasser Standorte und Ackerunkräuter. Insgesamt hat man 557 Arten von Farn- und Blütenpflanzen erfasst, ohne Nutz- und Zierpflanzen. Zu den 557 Arten zählen 50 bis 70 entweder forstlich kultivierte oder eingebürgerte Pflanzen, die schon vor geraumer Zeit aus fremden Gebieten zu uns kamen.


Liter: Über Veränderungen der Flora von Bochum in den letzten 90 Jahren. Arbeitsgruppe Spezielle Botanik der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. U.Hamann

Liter: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier, 1987. Huske, J.

Liter: Die Henrichshütte Hattingen. Eine grüne Geschichte, 1992. Laube, R.