Klaus Scholz

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Die „Bergbaukolonie Schönebeck“ im Kontext der Stadtentwicklung
Vom Bergbau in Schönebeck zum Gewerbegebiet an der Aktienstraße

Die Anfänge des modernen Bergbaus in Schönebeck reichen zum Beginn der 1830er zurück, als es Franz Haniel in Schönebeck gelang, zum ersten Mal die Mergeldecke zu durchstoßen. So wurden hier die Weichen auch für die Zeche „Zollverein“ gestellt, die die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte. Neben dem Schurfschacht „Franz“ und dem Versuchsschacht „Kronprinz“ entstand auf Schönebecker Gebiet etwa nördlich des Terrassenfriedhofs zwischen Herbrüggenstraße und Altstadt auch der alte Schacht „Wolfsbank“. Nachdem nach Jahren der Produktion die Förderung eingestellt worden war, wurde der Schacht 1896 zugeschüttet. Der von Hugo Stinnes im Jahr 1898 gegründete Mülheimer Bergwerks-Verein als Besitzer der Zeche „Rosenblumendelle“ kaufte an der Aktienstraße 37 Morgen Land. Dort wurde in den Jahren 1901 bis 1903 der „Schacht Kronprinz“ als „Rosendelle Schacht 3“ neu abgeteuft und die Förderung aus diesem Grubenfeld aufgenommen. Am 1. August 1901 wurde mit den Abteufarbeiten und dem Bau verschiedener Betriebsgebäude begonnen: Schmiede, Schreinerei, Magazin, Waschkaue, Büro, Maschinenhaus, Kesselhaus sowie ein 20 Meter hoher Kamin entstanden ebenso wie Schachtgerüst, Fördergebäude und eine Drahtseilbahn, die von der Zeche zum Verladen an der Eisenbahnstation „Heißen II“ führte. Nachdem von „Kronprinz“ ein Durchschlag zum Grubenfeld der Schachtanlage „Rosenblumendelle 1 / 2“ hergestellt wurde, konnte die Kohle dort zutage gebracht werden. Als Wetterschacht blieb „Schacht Kronprinz“ mit seinen Einrichtungen über Tage aber in Betrieb, zumal die Bergleute auch hier sowohl zu den Grubenfeldern der „Rosenblumendelle“ als auch von „Kronprinz“ einfuhren. Die Drahtseilbahn wurde aber nicht mehr gebraucht. Im Jahr 1956 ging der Mülheimer Bergwerks-Verein in die Steinkohlenbergwerke Mathias Stinnes AG über. Die Kohlekrise Ende der 1950er Jahre leitete auch das Ende von „Kronprinz“ ein: 1961 wurde die Seilfahrt eingestellt; „Kronprinz“ war nur noch Wetterschacht.

Am 15. Mai wurde der Kamin der Zeche gesprengt. Vier Jahre später folgte die Stilllegung der Zeche „Rosenblumendelle/Wiesche“, so dass die Kumpel der Bergbaukolonie und des Stadtteils auch dort nicht mehr einfahren konnten.

Nachdem bereits 1953 nach nur zweijährigem Betrieb die Schönebecker Kleinzeche „Joachim“ im Bereich zwischen Herbrüggenstraße und Dreigarbenfeld – im Volksmund „Zeche Eimerweise“ genannt – aufgegeben worden war, gingen mit Schacht Kronprinz wichtige Wahrzeichen verloren, die an die Schönebecker Bergbautradition erinnerten.


Aus: „Man war nie fremd – Die Essener Bergbaukolonie Schönebeck und ihr Stadtteil“
Hrsg.: Klaus Scholz
Co-Autoren: Andreas Koerner, Dr. Wolfgang Sykorra
© verlag edition rainruhr, Essen 2009
ISBN 978-3-9811598-9-9


Aus dem Inhalt:
Die Bergbaukolonie Schönebeck im Kontext der Stadtentwicklung
Der Verein „Bergbaukolonie Schönebeck e.V.“
„So war es“ – authentische Erzählungen und Berichte über das Leben in der Kolonie
Leben und Arbeiten in der NS- und Kriegszeit
Bildungsangebote für die Kinder der Kolonie
Bergbaukolonie und Kirche
Die Siepentäler als Erholungsgebiet für Bergbaukolonie und Stadtteil
Die Bergbaukolonie und ihr Stadtteil im 21. Jahrhundert
Schönebeck – Impressionen gestern und heute
Kleines Herkunftslexikon Schönebecker Straßennamen




Klaus Scholz

Geboren 1940. Von 1947 bis 1955 Besuch der Eichendorff-Schule in Essen. Anschließend Absolvierung einer Lehre als Schmied mit Gesellenbrief als Abschluss. Nach dem Wehrdienst Arbeit bei verschiedenen Firmen und in städtischen Diensten, zuletzt als Marktmeister. Übernahme mehrerer Ehrenämter mit gesellschaftspolitischer Zielsetzung. Seit 1999 Vorsitzender des Vereins „Bergbaukolonie Schönebeck e.V.“. Klaus Scholz ist ein Kind der Bergbaukolonie und mit ihrem Leben dort verwachsen. Seit seiner Kindheit lebt er hier mit kurzen Unterbrechungen, zunächst in der „Ardelhütte“, dann in der „Schacht-Kronprinz-Straße“.


Die Co-Autoren:

Andreas Koerner
Geboren 1943. Abitur in Krefeld. Studium Bibliothekswesen in Bonn. Seit 1969 Bibliothekar der Stadtbibliothek Essen. 1984 bis zur Pensionierung 2008 Leiter der Stadtteilbibliothek Essen-Borbeck. Seit der Gründung 1985 Mitglied des Kultur-Historischen Vereins Borbeck. 1991 Gründungsmitglied der Künstlergruppe „die kurve“. 1996 Verleihung des Rheinlandtalers für ehrenamtliche kulturelle Leistungen. Veröffentlichungen zur Geschichte Borbecks.

Dr. Wolfgang Sykorra
Geboren 1945. 1964 Abitur am Gymnasium Borbeck in Essen, Studium und Promotion zum Dr. phil. In Bonn, Paris und London. Anschließend Tätigkeiten in unterschiedlichen Funktionen an Schulen und Universitäten, zuletzt als Oberstudiendirektor und Schulleiter am Gymnasium Borbeck. Übernahme zahlreicher Aufgaben im Ehrenamt und Mitarbeit an sozialen Projekten. Veröffentlichungen zur Sprach- und Literaturwissenschaft sowie zu gesellschaftlich relevanten Fragen.