Naturgeformtes Ruhrland wird bäuerliches Kulturland

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Haus aus der Epoche der "Rössener Kultur" um 3000 vor der Zeitenwende. Rekonstruktion nach einem Fund in Bochum-Hiltrop, Am Hillerberg. Das Modell steht im Emschertalmuseum Herne.

Bis in die Jungsteinzeit - 4500 v. Chr. bis 1700 v. Chr. - lebten in den grenzenlosen Urwäldern des Ruhrgebietes nomadisierende Jäger, Fischer und Waldfruchtsammler. Da der Wald stellenweise sehr dicht war, konnten sie sich bei ihrer Nahrungssuche nur an Wasserläufen orientieren. In diese nahezu undurchdringliche Waldlandschaft kamen die ersten Ackerbauern. Sie waren auf der Suche nach einem besonders ertragreichen Boden, dem Löss. Zwischen Lippe und Ruhr fanden sie nicht nur große fruchtbare Lössflächen, sondern auch viele Bäche mit klarem Wasser für ihren Lebensunterhalt. Hier siedelten sie, lichteten den Wald, bauten Höfe und säten Getreide aus.i Auf Grund von Spuren lassen sich auch die ältesten Hinweise auf eine bäuerliche Tätigkeit im Ruhrgebiet belegen. So in Bochum-Bergen, hier legte K. Brandt 1949 Reste eines Hauses aus der Jungsteinzeit frei.

Außerdem fand man in einer von Menschen ausgehobenen Vertiefung Holzkohle und Scherben aus der Zeit der Linienbandkeramikerkultur. Gefäße, die vor fast 7000 Jahren hergestellt wurden. Ebenfalls konnten von Brandt bedeutsame Fundamente eines steinzeitlichen Bauernhofes aus dem 3.Jahrtausend v.Chr. in Bochum-Hiltrop freigelegt werden.


Ein weiterer frühgeschichtlicher Fund stammt aus Bochum-Querenburg. Hier stieß man im Zusammenhang mit Bodenarbeiten für die Fundamente der Gebäude der Ruhr-Universität Bochum, auf Siedlungsspuren jungsteinzeitlicher Bauern. Sie sollen vor etwa 5 bis 6 Tausend Jahren in den Bochumer Süden gekommen sein. In den folgenden Jahrhunderten breitete sich die inzwischen erfolgreich gewordene Landwirtschaft immer weiter aus und immer mehr Siedler kamen ins Land. Demzufolge begrenzte sich für die ständig wachsende Bevölkerung der zur Verfügung stehende Lebensraum. Zwangsläufig bestand ein erhöhter Bedarf an landwirtschaftlicher Nutzfläche um die Versorgung mit Nahrungsmittel sicherzustellen, denn die Fruchterträge ließen sich wegen der primitiven Form der Düngung kaum noch steigern. Folglich mussten neue Agrarflächen erschlossen werden. Deshalb begann zwischen Ruhr und Lippe ein dauernder Landschaftswandel, fast der gesamte Waldboden wurde im Laufe der Zeit in Ackerland umgewandelt. Der dazu notwendige Rodungsvorgang vollzog sich schrittweise und währte bis weit ins 18. Jahrhundert.

Liter: Bilderbuch zur Ruhrländischen Urgeschichte, 1954. Brand, K.
Liter: Neolithische Siedlungsplätze im Stadtgebiet von Bochum, 1967. Brand, K.
Liter: Scherben und Spuren–Urgeschichte in Herne und im mittleren Ruhrgebiet–, 1986. G. Wand-Seyer 
Liter: Siedlungen der Steinzeit, Haus, Festung und Kult, 1989. Spektrum der Wissenschaft