Weinbau an der Ruhr im Mittelalter
Aus Ruhrwiki
Im Mittelalter, gegen Ende des 11. Jahrhunderts, begann in Mitteleuropa eine kleine Warmzeit, die die Vegetation sichtbar beeinflusste. Deutlich waren die Sommermonate wärmer geworden und viel milder die Winter. Folglich verlagerte sich auch die Weinbaugrenze, etwa 4 bis 5 Breitengrade nach Norden. Pommern und Ostpreußen war lange Zeit das nördlichste Weinbaugebiet. Auch an der Ruhr gab es an einigen sonnenexponierten Stellen gute Weinlagen. Hinweise über den mittelalterlichen Weinbau im Ruhrtal sind überliefert. Die früheste Erwähnung stammt aus der Werdener Abtei. In der Urbar aus dem 11. Jahrhundert wird auf einen Winzer, der für das Kloster Werden tätig war, hingewiesen.i Da heißt es in der Notiz, im Zusammenhang mit anderen Eintragungen, kurz und knapp: ...vier Winzer des Propstes, zwei des Abts ... Ab Mitte des 12. Jahrhunderts wird bei der Auflistung von Handwerkern, die im Dienst des Klosters standen, wieder ein Winzer "vinatoriis" erwähnt. Ein ganz besonders aufschlussreicher Vermerk über den lokalen Weinbau steht in einer Entlohnungsnotiz aus dem Jahre 1345. Hier wird berichtet: ...Winzer (vindemiatori) Giso zur Zeit der Weinlese auf dem Bilstein. In dieser Aufzeichnung wird nicht nur auf den Winzer Giso hingewiesen, sondern auch auf die Lage des Weinberges – auf dem Bilstein – wo er arbeitete.
Heute gehört Bilstein kommunalgeografisch zu Essen-Kettwig. Die Flur liegt auf der rechten Ruhrseite, in südlicher Hanglage. In den Jahren danach findet man in den Urbaren des Klosters immer wieder Hinweise über die Arbeit des Winzers. So in folgenden Vermerken: 1346 ...eine Tonne Heringe für die Arbeiter im Weingarten. 1353 ...Geld für den Winzer Giso für 10 Fuder geschnittener Hölzer für die Stützung der Weinreben. 1362 ...Winzer Giso lebt noch immer und arbeitet im Weinberg. 1363 ...Winzer Giso wird für ein weiteres Jahr in Dienst genommen und dafür mit 3 Mark dortmundisch, einen Mantel und je ein Paar Stiefel und Schuhe entlohnt. Auch um Burg Horst an der Ruhr hat man den Weinbau kultiviert. So sollen laut Aufzeichnungen aus dem Jahre 1319 ihre Bewohner an den Ruhrhängen bei Essen-Steele Weingärten angelegt haben. Einige Lokalhistoriker sind der Ansicht, dass Namen wie Winz oder Niederwenigern (heute Ortsteile von Hattingen) auf mittelalterliche Weingärten in dieser Gegend schließen lassen. Dazu Darpe: Die Benediktiner des Klosters Deutz legten auf ihren Ruhrbesitzungen an günstigen Abhängen Weinberge an, wie zu schließen ist aus den Namen Wenigern (Wingarden, Wingere), Wins (=Winhus), Weinberg (Hof in der Winser Mark) und Wingar;... Im auslaufenden 14. Jahrhundert verschwanden die Weingärten aus dem Ruhrtal. Anlass gab der Klimaumschwung, es wurde wieder kühler und zwangsläufig wanderte die Vegetationsgrenze in Richtung Süden.
Liter: Ein alter Weinberg bei Kettwig, in: Werdener Heimatblätter, Nr. 1, Nr. 2, 1922. Körholz, F. Liter: Burg Horst. Die Geschichte eines alten Hauses 1142 - 1983, Essen 1983. VOIGT, I. Liter: Widuberg-Weinberg-Weingarten im Stift Werden. Heimatpflegeverein Essen-Werden/Heidhausen, Jahresausgabe 1991 (Manuskript. Auszüge mit freundlicher Genehmigung von Frau Susanne Hae ger, Essen). Inzwischen veröffentlicht in: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 100. Prof. Derks, P.

